Kerzen verstehen: Von der Flammenchemie bis zur perfekten Wachsmischung

Wussten Sie, dass eine brennende Kerze Temperaturen von über 1000 Grad Celsius erreichen kann? Die gelbe Flamme einer Kerze entsteht durch glühende Russpartikel, die diese erstaunliche Hitze entwickeln. In diesem Artikel werden wir die faszinierende Welt der Kerzen erkunden und alles von der grundlegenden Chemie bis zur perfekten Wachsmischung untersuchen.
Eine Kerze verbrennt in einer Stunde etwa 3 bis 8 g Wachs und produziert dabei Wasser und Kohlenstoffdioxid als Verbrennungsprodukte. Tatsächlich besteht das Wachs aus einfach gebauten Kohlenwasserstoffketten mit ungefähr 18-20 Kohlenstoffatomen (C20H42). Für das Funktionieren einer Kerze sind jedoch zwei wesentliche Elemente notwendig: Wachs als Brennstoff und ein Docht, der das geschmolzene Wachs nach oben transportiert. Besonders interessant ist auch die deutsche Kerzenproduktion, die 2006 mehr als 100.000 Tonnen Kerzen herstellte.
In den folgenden Abschnitten werden wir zunächst die verschiedenen Wachsarten und ihre Eigenschaften betrachten, bevor wir uns mit den physikalischen Prozessen beim Anzünden einer Kerze beschäftigen. Anschliessend untersuchen wir die unterschiedlichen Flammenzonen und deren Temperaturen sowie die chemischen Reaktionen, die beim Verbrennen stattfinden. Zum Schluss geben wir praktische Tipps für optimale Wachsmischungen, falls Sie sich für das Thema “Kerze selber machen” interessieren.
Wachs als Brennstoff: Zusammensetzung und Eigenschaften
Wachs bildet das Herzstück jeder Kerze und bestimmt massgeblich ihre Brenneigenschaften. Chemisch betrachtet ist Wachs ein Gemisch verschiedener Kohlenwasserstoffe, die bei Temperaturen über 40 °C schmelzen und dann eine Flüssigkeit mit niedriger Viskosität bilden. Diese Substanzen sind nahezu unlöslich in Wasser, lassen sich jedoch gut in organischen, unpolaren Lösungsmitteln lösen. Die Zusammensetzung und Herkunft von Kerzenwachsen können stark variieren, was ihre Eigenschaften und Anwendungsbereiche beeinflusst.
Paraffin (C20H42) als Hauptbestandteil
Paraffin ist der weltweit am häufigsten verwendete Rohstoff für die Kerzenherstellung. Der Name leitet sich vom lateinischen “parum affinis” ab, was “wenig reaktionsfähig” bedeutet. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Gemisch aus acyclischen Alkanen mit der allgemeinen Summenformel CnH2n+2, wobei n zwischen 18 und 32 liegt. Diese langkettigen Kohlenwasserstoffe entstehen als Nebenprodukt der Erdölraffination.
Besonders bemerkenswert ist die Molekularstruktur von Paraffin, die aus langen, geraden Kohlenstoffketten besteht, welche von Wasserstoffatomen umgeben sind. Das Fehlen von Doppelbindungen in den Alkanketten macht Paraffin weniger reaktiv und stabiler als andere Wachsarten. Diese Eigenschaft erklärt auch seine Beliebtheit als Kerzenmaterial.
Paraffin zeichnet sich durch seine gute Brennqualität aus und lässt sich leicht einfärben und mit Duftstoffen anreichern. Zudem bietet es eine effiziente Duftverteilung sowohl im kalten Zustand als auch beim Verbrennen. Allerdings ist Paraffin als fossiles Produkt nicht umweltfreundlich und muss häufig importiert werden.
Schmelzpunkt und Aggregatzustände
Wachs durchläuft beim Erhitzen verschiedene Aggregatzustände. Bei Raumtemperatur ist es fest, wird aber beim Erhitzen zunächst weich und schliesslich flüssig. Dieser Prozess lässt sich besonders gut bei einer brennenden Kerze beobachten, wo das Wachs in allen drei Aggregatzuständen gleichzeitig vorliegt.
Die verschiedenen Wachsarten unterscheiden sich deutlich in ihren Schmelzpunkten:
- Hartparaffin wird bei etwa 55 °C flüssig und beginnt bereits ab 40 °C weich zu werden
- Weichparaffin hat einen niedrigeren Schmelzpunkt von etwa 45 °C
- Stearin schmilzt erst bei etwa 65 °C und wird kaum weich, sondern geht direkt vom festen in den flüssigen Zustand über
- Bienenwachs weist mit 62-65 °C die höchste Verflüssigungstemperatur auf
Bemerkenswert ist auch die grosse Volumenzunahme von Paraffin beim Erhitzen. Bis zum Phasenübergang von fest nach flüssig kann es um bis zu 10% an Volumen zunehmen. Diese Eigenschaft muss bei der Kerzenherstellung berücksichtigt werden. Mehr auf Wikipedia:https://de.wikipedia.org/wiki/Paraffin
Unterschiede zwischen Paraffin, Stearin und Bienenwachs
Die drei wichtigsten Wachsarten für Kerzen unterscheiden sich grundlegend in Herkunft, Eigenschaften und Umweltverträglichkeit.
Stearin wird überwiegend aus pflanzlichen Rohstoffen wie Palmöl oder Kokosfett gewonnen. Im Vergleich zu Paraffin ist es härter aber auch brüchiger und hat eine höhere Kratzfestigkeit. Stearinkerzen tropfen kaum, da sie quasi keine “Weichphase” haben. Sie brennen mit einer hellen, ruhigen Flamme und verströmen einen angenehmen Geruch. Allerdings ist die Umweltbilanz kritisch zu betrachten, da für den Anbau von Palmöl oft Urwaldflächen gerodet werden.
Bienenwachs hingegen ist ein reines Naturprodukt und Stoffwechselprodukt der Honigbiene. Es ist ursprünglich weiss, erhält seine gelbliche Farbe jedoch durch den Kontakt mit Pollen und Honig. Mit seinem höchsten Schmelzpunkt unter den drei Wachsarten brennt Bienenwachs langsamer und länger. Sein einzigartiger, intensiver Geruch und die natürliche Herkunft machen es zu einem hochwertigen, wenn auch teureren Material für Kerzen. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit wird Bienenwachs oft aus Ländern wie China, Südafrika oder Lateinamerika importiert, was wiederum die Umweltbilanz beeinträchtigt.
Vom Schmelzen zur Flamme: Physikalische Prozesse beim Anzünden
Die Umwandlung von festem Wachs zu einer brennenden Flamme umfasst faszinierende physikalische Prozesse. Wenn wir eine Kerze anzünden, läuft eine komplexe Kette von Ereignissen ab, die das feste Wachs in eine leuchtende Flamme verwandelt. Dieses Zusammenspiel von Wärme, Materialstruktur und chemischen Reaktionen bildet die Grundlage für das Funktionieren jeder Kerze.
Kapillarwirkung im Docht
Der Docht einer Kerze ist weit mehr als nur ein Baumwollfaden – er ist ein ausgeklügeltes System zur Brennstoffzufuhr. Er besteht aus vielen miteinander verflochtenen Fasern, die feine Kanäle bilden. Diese Kanäle ermöglichen durch Kapillarkräfte den Transport des flüssigen Wachses entgegen der Schwerkraft zur Flamme. Dieses Phänomen wird aufgrund seiner Bedeutung manchmal auch als “Dochteffekt” bezeichnet.
Die Beschaffenheit des Dochts beeinflusst massgeblich den Kerzenabbrand. Ein zu schwacher Docht kann nicht genügend geschmolzenes Wachs aufsaugen, wodurch die Brennschüssel überläuft und die Kerze zu tropfen beginnt. Ist der Docht hingegen zu stark, wird die Flamme übermässig gross, die Verbrennung verläuft unvollständig, und die Kerze beginnt zu russen.
Moderne Kerzen verfügen über einen asymmetrisch geflochtenen Docht mit Spannfäden. Diese spezielle Konstruktion bewirkt, dass sich der Docht beim Brennen zur Seite neigt und aus der Flamme heraustritt. Dadurch kommt er mit Sauerstoff in Berührung und kann vollständig verglühen. Diese Selbstregulierung macht das früher notwendige manuelle “Schnäuzen” (Abschneiden) des Dochts überflüssig.
Verdampfung des Wachses
Sobald eine Kerze angezündet wird, beginnt die Wärme der Flamme das feste Wachs zu schmelzen. Durch die weitere Wärmezufuhr steigt die Temperatur des flüssigen Wachses im Docht weiter an, bis es schliesslich an der Dochtspitze verdampft. Das geschmolzene Wachs erreicht am Ende des Dochts seine Flammtemperatur von etwa 200 Grad Celsius und geht in den gasförmigen Zustand über.
Besonders bemerkenswert ist, dass ausschliesslich der Wachsdampf brennt und nicht der Docht selbst. Der gasförmige Wachsdampf ist tatsächlich unsichtbar. Was wir als “weissen Rauch” wahrnehmen, ist eine Mischung aus bereits wieder kondensierten, feinsten Wachströpfchen und Wachsdampf.
Der Prozess läuft in einer kontinuierlichen Abfolge ab: Die Hitze der Flamme lässt weiteres Wachs schmelzen und verdampfen, wodurch neue Brennstoffmoleküle freigesetzt werden, die wiederum verbrennen und weitere Wärme erzeugen. Dieser selbsterhaltende Kreislauf ermöglicht das stetige Brennen der Kerze.

Pyrolyse: Aufspaltung in kurzkettige Moleküle
Nach der Verdampfung des Wachses setzt ein entscheidender Prozess ein: die Pyrolyse. Hierbei handelt es sich um ein Verfahren der thermischen Spaltung organischer Verbindungen. Durch die hohe Temperatur werden die langen Kohlenwasserstoffketten des Wachses in kleinere Moleküle zerspalten.
Diese thermische Zersetzung ist notwendig, da die ursprünglichen langen Wachsmoleküle (C20H42) zu träge und wenig reaktionsfreudig sind. Die durch Pyrolyse entstandenen kurzen Bruchstücke hingegen reagieren viel leichter mit dem Sauerstoff der Luft. Es ist genau diese erhöhte Reaktionsfreudigkeit, die eine effiziente Verbrennung ermöglicht.
Der Prozess verläuft stufenweise: Zunächst erhalten die Wachsmoleküle durch die Hitze zusätzliche Energie und beginnen so heftig zu vibrieren, dass sie in kleinere Moleküle zerspringen. Diese kleinen Moleküle und Molekülfragmente (Radikale) reagieren anschliessend chemisch miteinander und mit dem Sauerstoff der eindringenden Luft.
Bei diesem Verbrennungsvorgang bilden sich auch feste Kohlenstoffpartikel, die durch die heissen Gase zum Glühen gebracht werden. Diese glühenden Kohlenstoffpartikel sind für das charakteristische warme, gelbliche Licht der Kerzenflamme verantwortlich. Da nie alle Kohlenstoffpartikel vollständig verbrennen, entweichen einige als Russ.
Durch das Zusammenspiel von Kapillarwirkung, Verdampfung und Pyrolyse entsteht die faszinierende Erscheinung einer brennenden Kerze, die Menschen seit Jahrhunderten als Lichtquelle und atmosphärisches Element schätzen.
Flammenzonen und Temperaturverteilung
Eine brennende Kerze offenbart bei genauer Betrachtung verschiedene farbige Bereiche, die auf unterschiedliche Temperaturen und chemische Prozesse hinweisen. Die Flamme einer Kerze ist nicht einheitlich, sondern besteht aus vier klar definierten Zonen mit eigenen Charakteristika und Funktionen.
Zone 1: Wachsdampf und unvollständige Verbrennung
Die erste Zone befindet sich direkt über dem Docht und erscheint als dunkler Bereich, manchmal auch als Flammenkern bezeichnet. Hier herrschen Temperaturen zwischen 600 und 800 °C. In dieser Region wird das flüssige Wachs verdampft, jedoch nur teilweise verbrannt, da nicht genügend Sauerstoff aus der Umgebungsluft schnell genug nachkommt. Diese dunkle Zone enthält überwiegend unverbrannten Wachsdampf, der bei etwa 300 °C entsteht. Aufgrund des Sauerstoffmangels bilden sich in dieser Region bereits erste Russpartikel.
Zone 2: Blaue Flamme mit 1000 °C
Die zweite Zone erscheint als bläulicher Teil der Flamme und erreicht Temperaturen von bis zu 1000 °C. Die charakteristische blaue Färbung entsteht durch Strahlungsübergänge angeregter Moleküle der Verbrennungsgase. Besonders molekularer Kohlenstoff (C₂) und CH-Moleküle sorgen durch Chemilumineszenz für das bläuliche Licht. Die stärkste Emission des CH-Moleküls liegt bei einer Wellenlänge von 432 Nanometern, was einer blauen Farbe entspricht. Diese Zone ist hauptsächlich am unteren Flammenrand zu beobachten, wo durch starke Konvektion mit Luftzufuhr ein Sauerstoffüberschuss herrscht.
Zone 3: Glühender Russ bei 1200 °C
In der dritten Zone, auch Glühzone genannt, wird das Wachs intensiv zerlegt. Die langen Kohlenwasserstoffketten werden in Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf umgewandelt. Allerdings läuft der Verbrennungsprozess unvollständig ab, wodurch sich Kohlenstoff zu Russteilchen zusammenlagert. Diese Russpartikel glühen bei etwa 1200 °C und erzeugen dadurch das charakteristische helle, gelb-orange Leuchten der Kerze. Winzige Kohlenstoffteilchen wachsen in dieser Zone zu grösseren Graphitpartikeln aus bis zu einigen Millionen Kohlenstoffatomen an. Das Emissionsspektrum der Russpartikel entspricht dabei annähernd dem eines Schwarzen Strahlers.
Zone 4: Vollständige Verbrennung mit 1400 °C
Die vierte Zone bildet die Flammenoberfläche und ist die aktivste Region der Kerze. Hier finden die brennbaren Bestandteile des Wachses genügend Sauerstoff für eine vollständige Verbrennung. Dadurch werden Temperaturen von bis zu 1400 °C erreicht. Interessanterweise tragen diese heissesten Bereiche kaum zur Lichterzeugung bei, da Sauerstoff und andere beteiligte Gase transparent sind. Das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz erklärt diesen Zusammenhang: Gase, die kaum Licht absorbieren, emittieren auch bei hohen Temperaturen kaum Strahlung. An der Spitze der Flamme werden schliesslich die Russpartikel aus der leuchtenden Zone durch weiteren Sauerstoffzutritt vollständig verbrannt.
Chemische Reaktionen und Nachweise
Hinter der magischen Erscheinung einer brennenden Kerze verbergen sich faszinierende chemische Prozesse. Bei jedem Entzünden lösen wir eine Reaktionskette aus, die wir anhand ihrer Produkte nachweisen können.
Reaktionsgleichung: Paraffin + O2 → CO2 + H2O
Die Verbrennung von Kerzenwachs lässt sich vereinfacht durch eine chemische Reaktionsgleichung darstellen. Geben wir das Kerzenmaterial als Kohlenwasserstoff mit der Formel C20H42 an, lautet die Gleichung für die vollständige Verbrennung: C20H42 + 30,5 O2 → 20 CO2 + 21 H2O. Alternativ wird auch die Gleichung C25H52 + 38 O2 → 25 CO2 + 26 H2O verwendet.
Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen komplexen Mechanismus mit vielen Elementarreaktionen, an denen Radikale beteiligt sind. Beim Verbrennungsprozess reagiert der Wasserstoff im Wachs zunächst mit dem Sauerstoff, wobei Wasserdampf entsteht und viel Energie in Form von Licht und Wärme freigesetzt wird.
Nachweis von CO2 mit Kalkwasser
Den entstandenen Kohlenstoffdioxid können wir durch eine einfache Methode nachweisen: Wird ein Reagenzglas über die Kerzenflamme gehalten, fangen wir Verbrennungsgase auf. Geben wir anschliessend Kalkwasser (Calciumhydroxid-Lösung) hinzu und schütteln das Gemisch, bildet sich ein weisser Niederschlag. Dabei reagiert das Kohlenstoffdioxid mit dem Calciumhydroxid zu Calciumcarbonat und Wasser: Ca(OH)2 + CO2 → CaCO3 + H2O.
Diese Trübung des Kalkwassers ist ein eindeutiger Nachweis für Kohlenstoffdioxid. Für aussagekräftige Ergebnisse sollte allerdings stets frisches Kalkwasser verwendet werden, da dieses sonst bereits durch CO2 aus der Luft getrübt sein könnte.
Nachweis von H2O mit Watesmo-Papier
Zum Nachweis des zweiten Verbrennungsprodukts – Wasser – lässt sich Watesmo-Papier einsetzen. Wenn wir ein kaltes Becherglas einige Sekunden über die Flamme halten, beschlägt es. Bei Kontakt verfärbt sich der weisse Watesmo-Papierstreifen blau, was die Anwesenheit von Wasser bestätigt. Der Wassernachweis mit Watesmo-Papier ist besonders empfindlich, da schon Spuren von flüssigem Wasser eine Blaufärbung hervorrufen.
Alternativ kann man die Verbrennungsgase mit einem Trichter auffangen und durch ein wassergekühltes U-Rohr leiten. Nach einiger Zeit kondensiert dort eine klare Flüssigkeit, die sich mittels Watesmo-Papier als Wasser identifizieren lässt.
Rauchdurchzündung durch Wachsdampf
Besonders eindrucksvoll ist die Rauchdurchzündung: Bläst man eine Kerze aus, steigen weiterhin Wachsdämpfe auf. Hält man ein brennendes Streichholz in diesen aufsteigenden “Rauch”, entzündet sich dieser und die Flamme wandert zurück zum Docht, wodurch die Kerze wieder zu brennen beginnt.
Hierbei handelt es sich tatsächlich nicht um Rauch im eigentlichen Sinne, sondern um gasförmigen Wachsdampf, der auch nach dem Erlöschen der Flamme weiter vom heissen Docht abgegeben wird. Der Begriff “Wachsqualm” bezeichnet dabei eine Mischung aus Wachsnebel (flüssig-gasförmig) und Wachsrauch (fest-gasförmig).
Optimale Wachsmischungen für verschiedene Kerzentypen
Die richtige Wachsmischung entscheidet massgeblich über Qualität und Eigenschaften einer Kerze. Je nach Verwendungszweck variieren die optimalen Zusammensetzungen und beeinflussen Brenndauer, Optik und Duftentfaltung.
Mischverhältnisse für lange Brenndauer
Für Kerzen mit besonders langer Brenndauer eignet sich eine Kombination aus Paraffin und Stearin. Die gängigste Mischung besteht aus 80% Paraffin und 20% Stearin. Diese Komposition verbessert nicht nur die Brenneigenschaften, sondern verleiht den Kerzen zudem eine härtere Konsistenz mit glatter Oberfläche. Dadurch brennen sie erheblich länger als reine Paraffinkerzen. Der Schmelzpunkt dieser Mischung liegt bei etwa 54°C, was eine stabile Flamme ohne Russ oder unangenehme Gerüche gewährleistet.

Wachsarten für LED-Kerzen und Duftkerzen
Bei Duftkerzen spielt die Wachsart eine entscheidende Rolle für die Duftentfaltung. Mischungen aus verschiedenen Wachssorten wie Soja-Paraffin oder Kokos-Soja können im Vergleich zu einzelnen Wachsarten eine bessere Duftwirkung bieten. Für Duftkerzen in Gläsern empfiehlt sich besonders reines Paraffin, da es durch seine Transparenz eine schöne Tiefenwirkung erzeugt. LED-Kerzen hingegen benötigen hauptsächlich eine optisch ansprechende Wachshülle, da sie keinen tatsächlichen Verbrennungsprozess durchlaufen.
Wachsmischung für schwarze Kerzen und Trauerkerzen
Trauerkerzen werden häufig aus einer speziellen Wachsmischung hergestellt. Für schwarze Kerzen, die bei Trauerfeiern Verwendung finden, eignet sich ebenfalls die 80/20 Paraffin-Stearin-Kombination. Diese lässt sich mit allen Wachsfarbpigmenten einfärben. Für optimale Ergebnisse beim Giessen schwarzer Kerzen sollte der Temperaturunterschied zwischen Form und Wachs nicht zu gross sein. Die genaue benötigte Wachsmenge kann durch Befüllen der Form mit Wasser und anschliessendes Wiegen bestimmt werden, wobei das Gewicht des Wassers mit 0,86 multipliziert wird.
Tipps für ‘Kerze selber machen’ mit Stearin-Paraffin-Mix
Beim Selbermachen von Kerzen erzielen Sie beste Resultate mit einem Stearin-Paraffin-Gemisch. Zerkleinern Sie zunächst das Wachs und schmelzen es im Wasserbad. Für eine Standard-Kerze werden etwa 450g Wachs benötigt. Achten Sie auf die richtige Dochtgrösse – für viele Formen eignet sich ein Flachdocht im Bereich von 3×12 bis 3×15. Die optimale Giesstemperatur liegt zwischen 75°C und 80°C. Alternativ können Sie auch Rapswachs oder Bienenwachs verwenden, die allerdings andere Eigenschaften aufweisen. Lassen Sie die gegossenen Kerzen bei Zimmertemperatur aushärten, um eine gleichmässige Kristallstruktur zu erzielen.
Schlussfolgerung
Zusammenfassend bietet die Welt der Kerzen einen faszinierenden Einblick in alltägliche physikalische und chemische Prozesse. Die verschiedenen Wachsarten – Paraffin, Stearin und Bienenwachs – unterscheiden sich nicht nur in ihrer Herkunft und Umweltverträglichkeit, sondern auch in ihren Brenneigenschaften. Besonders bemerkenswert bleibt die Tatsache, dass eine scheinbar einfache Kerzenflamme tatsächlich Temperaturen von über 1400 °C erreichen kann.
Die komplexe Abfolge von Prozessen beim Kerzenbrennen verdeutlicht grundlegende naturwissenschaftliche Prinzipien. Zunächst transportiert der Docht durch Kapillarwirkung das geschmolzene Wachs nach oben. Anschliessend verdampft dieses Wachs und wird durch Pyrolyse in kürzere, reaktionsfreudige Moleküle aufgespalten. Dadurch entstehen schliesslich bei der Verbrennung die Endprodukte Kohlenstoffdioxid und Wasser.
Die vier klar definierten Flammenzonen offenbaren ausserdem unterschiedliche Temperaturbereiche und Verbrennungsprozesse. Diese reichen vom dunklen Flammenkern mit unvollständiger Verbrennung bis zur äusseren Flammenoberfläche mit vollständiger Oxidation. Die charakteristische gelbe Färbung entsteht dabei durch glühende Russpartikel.
Wer selbst Kerzen herstellen möchte, profitiert undoubtedly von den vorgestellten optimalen Wachsmischungen. Eine Kombination aus 80% Paraffin und 20% Stearin gewährleistet beispielsweise lange Brenndauer und ansprechende Optik. Je nach Verwendungszweck – sei es für Duftkerzen, Trauerkerzen oder dekorative Elemente – lassen sich die Mischungsverhältnisse gezielt anpassen.
Kerzen begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden als praktische Lichtquelle und atmosphärisches Element. Das Verständnis ihrer Funktionsweise erhöht nicht nur die Wertschätzung für diesen alltäglichen Gegenstand, sondern ermöglicht es auch, bewusste Entscheidungen bezüglich Qualität und Umweltverträglichkeit zu treffen. Die Faszination einer brennenden Kerze liegt letztendlich in diesem Zusammenspiel aus Wissenschaft, Handwerkskunst und sinnlicher Erfahrung.
FAQs
Q1. Wie funktioniert der Verbrennungsprozess einer Kerze? Bei der Verbrennung einer Kerze schmilzt zunächst das Wachs und wird über den Docht nach oben transportiert. Dort verdampft es und wird in kleinere Moleküle zerlegt. Diese reagieren mit dem Sauerstoff der Luft, wobei Kohlendioxid und Wasser entstehen. Dabei werden Wärme und Licht freigesetzt.
Q2. Welche Wachsarten eignen sich am besten für Kerzen? Die gängigsten Wachsarten für Kerzen sind Paraffin, Stearin und Bienenwachs. Paraffin ist am weitesten verbreitet und lässt sich gut einfärben. Stearin brennt länger und tropft kaum. Bienenwachs ist ein natürliches Produkt mit angenehmem Duft. Oft werden auch Mischungen verwendet, um die Vorteile verschiedener Wachsarten zu kombinieren.
Q3. Wie heiss wird eine Kerzenflamme? Eine Kerzenflamme erreicht unterschiedliche Temperaturen in verschiedenen Zonen. Im Kern liegt die Temperatur bei etwa 600-800°C. Die blaue Zone am unteren Rand kann bis zu 1000°C heiss werden. In der gelb leuchtenden Zone erreicht die Flamme etwa 1200°C durch glühende Russpartikel. An der Flammenspitze können sogar Temperaturen bis zu 1400°C entstehen.
Q4. Was sind die Verbrennungsprodukte einer Kerze? Bei der vollständigen Verbrennung einer Kerze entstehen hauptsächlich Kohlendioxid (CO2) und Wasser (H2O). Diese können durch einfache Experimente nachgewiesen werden: CO2 lässt sich mit Kalkwasser nachweisen, das sich trübt. Wasser kann mit speziellen Testpapieren wie Watesmo-Papier nachgewiesen werden, das sich bei Kontakt blau färbt.
Q5. Wie kann man die Brenndauer einer Kerze verlängern? Um die Brenndauer einer Kerze zu verlängern, empfiehlt sich eine Mischung aus etwa 80% Paraffin und 20% Stearin. Diese Kombination verbessert die Brenneigenschaften und macht die Kerze härter. Auch die richtige Dochtgrösse ist wichtig – er sollte zur Kerzengrösse passen. Zudem sollten Kerzen vor Zugluft geschützt werden und der Docht regelmässig gekürzt werden, um ein gleichmässiges Abbrennen zu gewährleisten.
